Wie wählt man die richtigen Skier aus? | Form und Länge? Taillenbreite und -dicke? Rocker, Vorspannung und Richtungsbindung?

Anders als Wettkampf- oder Carving-Ski gibt es Freeski in einer riesigen Vielfalt an Formen und Breiten. Sie eignen sich für jedes Gelände, nicht nur für präparierte Pisten in Skigebieten, sondern auch fürs Backcountry, und lassen sich vielseitig einsetzen – nicht nur zum Gleiten, sondern auch zum Springen und Scrubben. Deshalb wollen wir uns zunächst die Grundlagen der Freeski-Modelle ansehen und lernen, worauf es bei der Skiwahl ankommt

*Grundlegende Informationen zur Skikonstruktion und den verwendeten Materialien wurden vom Fahrer und Skientwickler Masayuki Akiba von Vector Glide bereitgestellt.
*Skispezifikationen: D (Dimension = Taillierung), L (Länge), R (Radius)

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PUNKT 1 Unterschiedliche Charaktere je nach Taillenweite

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal verschiedener Freeskier ist ihre Taillenbreite. Je breiter die Taille, desto mehr Auftrieb, und je schmaler die Taille, desto schneller die Kantenwechsel. Anders ausgedrückt: Je breiter die Taille, desto besser für Tiefschnee, und je schmaler die Taille, desto besser die Drehfähigkeit. Als Nächstes gilt es, das optimale Verhältnis zwischen Auftrieb und Drehfähigkeit zu finden.
Es ist außerdem erwähnenswert, dass jede Marke durch ausgeklügelte Konstruktion und Formgebung die jeweiligen Nachteile ausgleicht.

[Taille > 90 mm]
Dieses Board überträgt die Beinkraft direkt auf die Kanten und ist daher ideal zum Carven auf festen Pisten. Das insgesamt schlanke Volumen macht es außerdem ideal für leichte Tourenmodelle.

FACTION|PRODIGY 1|D=120-88-112mm|L=158, 164, 171, 178, 184cm|R=17m|¥74,800

Taillenbreite: 90–100 mm.
Dies ist die typische Taillenbreite für Parkboards. Sie ermöglicht auch auf harten Oberflächen ein einfaches Kanten, und die nicht zu schmale Taille erleichtert Sprünge und Freestyle-Tricks.

ARMADA|B DOG|T=121-94-116,5 mm|L=164, 172, 180 cm|R=15 m|115.500 Yen

Taillenbreite: 100–110 mm.
Diese vielseitige Taillenbreite ermöglicht dir entspanntes Carven auf präparierten Pisten und bietet dir den nötigen Auftrieb im Tiefschnee. Wenn du planst, einen Ski die ganze Saison über zu nutzen, ist dieser Größenbereich empfehlenswert.

SALOMON|QST 106|D=138-106-125mm(173cm)|L=157, 165, 173, 181, 189cm|R=18m(173cm)|¥121,000

[Taille = 110-120 mm]
Ski, bei denen der Spaß im Tiefschnee im Vordergrund steht, man aber auf hartem Schnee nicht auf Kantenkontrolle verzichten möchte.

VOLKL|REVOLT 114|D=146-114-128mm|L=177, 184, 191cm|R=25m, 19m, 22m (184cm)|¥110,000

[Taille = 120 mm und mehr]
Ein Tiefschnee-Ski mit extrem dicker Outline. Er lässt sich auf präparierten Pisten fahren, eignet sich aber besser als Zweitski für Tiefschnee.

VECTOR GLIDE | GENIUS STANDARD | D=155-130-140 mm | L/R=185 cm/33,3 m, 193 cm/37 m | ¥212.700

PUNKT 2 <UNTERBODENKONSTRUKTION> Sturz und Rocker

Die Unterseitenkonstruktion hat einen großen Einfluss auf die Manövrierfähigkeit und das Fahrgefühl von Skiern. Vorspannung ermöglicht schnellere Kurvenübergänge, Nose Rocker sorgt für Auftrieb und erleichtert die Kurveneinleitung, und Tail Rocker erleichtert das Sliden des Skiendes. Es gibt verschiedene Kombinationen dieser Merkmale, die je nach Einsatzzweck des Skis gewählt werden

[Camber-Modell]
Klassisches Unterbodenprofil ohne Rocker. Die lange Kontaktkante und die Vorspannung sorgen für Wendigkeit und Stabilität in Kurven, erfordern aber im Tiefschnee ein gewisses Fahrkönnen.

[Nose Rocker + Camber-Modell]
Dieses Unterboden-Design kommt bei den meisten Directional-Boards zum Einsatz. Der Nose Rocker sorgt für Auftrieb im Tiefschnee, während das gerade Heck Stabilität in der zweiten Hälfte der Kurve gewährleistet.

[Nose Rocker + Camber + Tail Rocker Modell]
Die effektive Kante ist im Verhältnis zur Gesamtlänge kurz, was dir viel Bewegungsfreiheit beim Fahren ermöglicht. Der Tail Rocker erlaubt dir, nach Belieben zu sliden und zu gleiten. Das ist typisch für dickere Freestyle-Modelle.

[Full Rocker Modell]
Der Full Rocker erzeugt eine sanfte Krümmung über die gesamte Unterseite. Die nahezu ebene Fläche unter dem Fuß erleichtert das Gleiten. Dies ermöglicht komfortables und freies Fahren an Hängen, in natürlichem Gelände und im Tiefschnee.

POINT 3Directional und Freestyle

Es gibt zwei Haupttypen von Freeski-Modellen: „Directional“ und „Freestyle“.
„Directional“ leitet sich vom englischen Wort „direction“ (Richtung) ab und ist für das Vorwärtsfahren konzipiert. Ein Skifahrer, der vor der Einführung von Twin-Tip-Skiern gefahren ist, würde das wahrscheinlich denken: „Was? Das ist doch klar!“ Aber genau das bedeutet es: Dieser Skityp hat die gleiche klassische Form wie ein normaler Carving-Ski. Er zeichnet sich durch hervorragende Kurvenlage und hohe Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten aus und ermöglicht so auch auf hartem Schnee stabile und schnelle Schwünge.

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Die „Freestyle“-Ski sind Twin-Tip- oder Twin-Rocker-Modelle mit einem markanten, gebogenen Skiende. Sie eignen sich perfekt nicht nur für Schwünge, sondern auch für Sprünge, Scrubbing, Slides und sogar Switch-Landungen – und sind damit echte Freestyle-Ski. Der Bindungspunkt ist nahe der Skimitte positioniert, was für eine hervorragende Schwungbalance sowie überlegene Manövrierfähigkeit und Stabilität bei Sprüngen, Freestyle-Tricks und Switch-Fahrten sorgt

Der vordere Ski hat einen direktionalen Tail-Rocker, der hintere hingegen einen Twin-Tip-Tail. Der Krümmungsgrad ist deutlich erkennbar

PUNKT 4 Grundstruktur

Der Holzkern wird mit Glasfaser, Harz oder Metall verstärkt, die Gleitfläche besteht aus Kanten und Belagmaterial mit einer grafisch gestalteten Oberfläche. Dies ist der Grundaufbau eines Skis. Alle Teile werden verklebt und anschließend in einer Presse verpresst. Die Möglichkeiten hinsichtlich Art, Kombination und Form der Kern- und Verstärkungsmaterialien sind schier unendlich, was die Individualität jeder Marke und die unterschiedlichen Fahreigenschaften der einzelnen Modelle erklärt

Ein Beispiel für die Skikonstruktion. Der Holzkern ist zwischen Kohlenstofffasern eingebettet. Der Holzkern besteht aus einer Kombination von Espe, Esche und Paulownieholz (DPS/PAGODA-Serie)

Hebt man einen Ski an und drückt ihn in der Mitte nach unten, biegt er sich sanft und kehrt nach dem Loslassen in seine ursprüngliche Form zurück. Diese wichtige Eigenschaft von Skiern ist hauptsächlich dem Kernmaterial zu verdanken. Die Verstärkungsmaterialien gleichen die Festigkeit des langen, dünnen und bruchgefährdeten Kernmaterials aus und sorgen gleichzeitig für ein ausgewogenes Verhältnis der Faktoren, die die Performance und das Fahrgefühl des Skis bestimmen, wie Spannung, Robustheit, Elastizität und Vibrationsdämpfung. Angesichts dieses zentralen Kernmaterials und der Verstärkungsmaterialien ist es entscheidend, welche Materialien wie kombiniert werden, darunter Obermaterial, Seitenwangen, Belag und Kantenmaterial. Dies ist die Technologie moderner Skier

PUNKT 5 <KONSTRUKTION> Seitenkonstruktion

Bei der Skikonstruktion hört man oft von Sandwich- oder Cap-Bauweise oder einer Kombination aus beidem. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Bauweisen haben kaum Einfluss auf die Performance oder das Fahrgefühl. Der Hauptgrund für die unterschiedlichen Seitenkonstruktionen liegt in der Fertigung. Vereinfacht gesagt eignet sich die Cap-Bauweise für die Massenproduktion, während die Sandwich-Bauweise, die Zeit und Geschick erfordert, weniger geeignet ist.
In letzter Zeit zeichnen sich jedoch Veränderungen in dieser Bauweise ab. Die immer häufiger anzutreffende 3D-Formkonstruktion ist ein Vorbote dieser Entwicklung. Die Semi-Cap- und Cap-Bauweise bieten mehr Flexibilität und sind leichter als die Sandwich-Bauweise, weshalb viele Hersteller sie einsetzen.

PUNKT 5 Material

[Kernmaterial]
Mit Ausnahme von Junior- und Einsteigermodellen ist Holz das gängigste Kernmaterial für Skier. Wenn es darum geht, den von Skiern geforderten geschmeidigen Rebound und gleichmäßigen Flex zu erzielen, ist ein Holzkern unübertroffen. Natürlich beeinflussen Holzart, Teilstück und Qualität die Spezifikationen des Skis. Die Härte und Leichtigkeit des Holzes spiegeln sich jedoch nicht direkt im Ski wider; sie hängen vielmehr von der Art der Schichtung ab. Die meisten Holzkerne bestehen aus Schichtholz, nicht aus einer einzigen Lage. Dies liegt daran, dass Flexibilität und Festigkeit durch die Kombination verschiedener Materialien angepasst werden. Es gibt auch Fälle, in denen moderne Materialien wie Carbon als Stringer eingesetzt werden.

Ein Beispiel von ARMADA-Skiern. Es wird ausschließlich leichtes und robustes Calvacore verwendet
Auch dieses Modell stammt von ARMADA und kombiniert Pappel und Esche für ein leichtes und dennoch robustes Spielgefühl

[Verstärkung]
Glasfaser ist das am häufigsten verwendete Verstärkungsmaterial für Holzkerne. Es ist flexibel und leicht zu verarbeiten. Kohlenstofffaser ist ein leichtes Material mit hoher Elastizität. Titanal, eine Legierung aus Titan und Aluminium, besitzt hervorragende Schwingungsdämpfungseigenschaften. Jedes Material hat je nach Anwendung seine Nachteile, doch Unternehmen bündeln derzeit ihre technologischen Kompetenzen, um die Vorteile dieser Materialien optimal zu nutzen.

Eine Y-förmige Titanalschicht (K2/Mind Bender Serie) ist über die gesamte Breite des Skis, entlang der Kanten der Skispitze und in der Mitte des Skiendes eingesetzt, um eine gleichmäßige Kraftübertragung in verschiedenen Fahrsituationen zu gewährleisten
Der Ski ist mit einem hohlen, fischgrätenförmigen Titanal-Rahmen ausgestattet, der den gesamten Ski umschließt. Durch die Nutzung der Eigenschaften des Kernmaterials werden Kantengriff und Torsionsstabilität verbessert. Dies ist ein Beispiel dafür, wie diese Form von außen am Ski zu sehen ist (LINIE/BLATT)


Betreuung: Masayuki Akiba (VETCTOR GLIDE Produzent)
Text/Chikara Terakura

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