Skischuhe sind in gewisser Weise das wichtigste Verbindungselement zwischen Körper und Ski. Aktuell gibt es Freeride-Skischuhe in zwei- und dreiteiliger Ausführung mit unterschiedlichen Schalenkonstruktionen, teils mit Gehfunktion, verschiedenen Sohlenstandards und Bindungskompatibilität. Schauen wir uns die Gründe und Bedeutungen dieser vielfältigen Designs genauer an. Dies ist eine kurze Auffrischung der Grundlagen von Freeride-Skischuhen.
PUNKT 1 | Was sind Freeride-Stiefel?
Hier bezeichnen wir Freestyle- und Freeride-Modelle zusammenfassend als „Freeride-Boots“. Es wäre zwar treffender, sie „All-Mountain-Boots“ zu nennen, aber da einige Marken ihre Resort-Boots als „All-Mountain“ bezeichnen, möchten wir sie von diesen unterscheiden.
Der allgemeine Trend geht dahin, Gleiteigenschaften mit geringem Gewicht (und damit mit guten Aufstiegsmöglichkeiten) zu kombinieren. Skischuhe behalten ihre ursprünglichen Gleiteigenschaften bei und reduzieren gleichzeitig die Belastung beim Aufstieg durch leichtere Materialien und Komponenten.
Auch die sogenannten Tourenschuhe der Bergschuhmarken haben sich hinsichtlich Schalenmaterial und Konstruktion weiterentwickelt. Immer mehr Modelle sind nicht nur leicht und komfortabel, sondern bieten auch natürliche Gleiteigenschaften. Darüber hinaus profitieren selbst reine Gleitschuhe ohne Aufstiegsfunktion zunehmend von den Vorteilen des geringen Gewichts.

PUNKT 2 | 2-teilig und 3-teilig
Zweiteilige Schalenkonstruktion:
Die Unterschale sorgt für Kraftübertragung und Flexibilität, während die Oberschale den Vorwärtsneigungswinkel des Beins stabilisiert und eine präzise Positionierung unterstützt.
Die zweiteilige Schale ermöglicht eine exzellente, direkte Kraftübertragung und ist ideal für schwungorientiertes Fahren. Wenn Sie präzise Kurvenkontrolle und hohe Geschwindigkeiten genießen möchten, gibt es keinen besseren Skischuh.

XT3 TOUR LIGHT MV 130

HAWX PRIME XTD 130 GW

FUTURE
[Dreiteilige Schalenkonstruktion]
Die steife Unterschale überträgt die Kraft, während die separate Zunge den Flex steuert. Der Schaft lässt sich mühelos vor- und zurückbewegen. Dank der
separaten Zunge lässt sich der Flex der dreiteiligen Schale einfach einstellen, was sie seit jeher bei Skifahrern beliebt macht, die Wert auf Knöchelbewegung legen. Die Konstruktion ermöglicht zudem einen großen Bewegungsspielraum im Schaft, weshalb die meisten Tourenskischuhe diese dreiteilige Bauweise verwenden. Das Gelenk, das Unterschale und Schaft verbindet, befindet sich nahe am Knöchel, was ein weiterer, oft übersehener Faktor ist, der die Flexibilität des Knöchels erhält.

DIVERGE SC

MAESTRALE RS

CABRIO LV 130
PUNKT 3 | Schalenmaterial
Die Schalen der meisten Skischuhe bestehen aus Polyurethan (PU), das die für die Kraftübertragung notwendige Steifigkeit und die für Kurvenfahrten erforderliche geschmeidige Flexibilität (Flexibilität und Elastizität) bietet.
Die Schalen leichter Tourenskischuhe bestehen häufig aus Polyamidharzen wie Pebax und Griamide (auch Grilamid genannt). Da diese härter und leichter als Polyurethan sind, ermöglichen sie eine dünnere Schale und ein geringeres Gesamtgewicht. Zudem werden sie für ihre Härtebeständigkeit auch bei niedrigen Temperaturen geschätzt.



PUNKT 4 | Letzte Breite
Der Begriff „Leisten“ bezeichnet die Schuhform. Je schmaler der Leisten, desto besser der Halt; je breiter der Leisten, desto bequemer der Schuh. Rennskischuhe haben in der Regel eine Leistenbreite von etwa 90 mm, Freeride-Skischuhe hingegen etwa 100 mm. Wenn beispielsweise im Backcountry Wärme im Vordergrund steht, empfiehlt sich eine breitere Leistenbreite.
PUNKT 5 | Unterschiede bei Schnallen je nach Schalenstruktur
Die Anzahl und Position der Schnallen unterscheidet sich deutlich zwischen zweiteiligen und dreiteiligen Skischuhen. Zweiteilige Schuhe, die einen festen Halt bis in die Zehenspitzen erfordern, haben oft vier Schnallen, die von den Zehen bis zum Knöchel festgezogen werden. Dreiteilige Schuhe hingegen legen Wert auf Halt von der Ferse bis zum Fußgewölbe und bieten den Zehen mehr Platz. Dies hat den Vorteil, dass Schmerzen durch eingeklemmte Zehen bei der Landung nach einem Sprung vermieden und das Risiko von kalten Zehen bei niedrigen Temperaturen reduziert wird.




PUNKT 6 | Drei Arten von Sohlenformen
Es gibt drei Hauptsohlentypen. Zwei internationale Normen existieren: die Norm für Alpinskischuhe (ISO 5355) und die Norm für Tourenskischuhe (ISO 9523). Die GripWalk-Sohle, die zwar der Tourenskischuhnorm entspricht, aber mit Sicherheitsbindungen kompatibel ist, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Mit Ausnahme der GripWalk-Sohle unterscheiden sich Rahmenhöhe und Sohlenform und sind mit anderen Bindungen als denen, die der jeweiligen Norm entsprechen, nicht kompatibel. Selbst wenn eine Montage möglich wäre, würden die Halte- und Auslösefunktionen der Bindung nicht ordnungsgemäß funktionieren, was ein extrem hohes Risiko darstellt und von der Verwendung abgeraten wird.
Informationen zur Bindungskompatibilität finden Sie hier.
[Alpine Standardsohle (ISO 5355)]
Die flache Sohle herkömmlicher Skischuhe. Im Allgemeinen nur mit alpinen Standardbindungen kompatibel.

Tourenstandard (ISO 9523):
Die Sohle ist mit Gummiblöcken und einer Abrollsohle für leichteres Gehen ausgestattet. Die Zehenkante ist höher als bei der Alpinstandardsohle, daher ist sie nicht mit Alpinbindungen kompatibel.

Gripwalk-Sohle:
Eine mit dem verschiebbaren AFD-System der Bindung kompatible Harzplatte ist in einen Gummiblock eingelassen, der das Gehen erleichtert. Die meisten dieser Sohlen entsprechen der Tourenschuhnorm (ISO 9523).

PUNKT 7 | Kompatibilität mit Tech-Bindungen
Tech-Einsätze im Zehen- und Fersenbereich ermöglichen die Verwendung von Tech-Bindungen, die heutzutage in vielen Tourenskischuhen, einschließlich solcher mit GripWalk-Sohlen, angeboten werden.
[Zehenbereich]
An der Zehenseite befindet sich ein System, bei dem der Tech-Einsatz am Rahmen mit einem Stift fixiert wird.

[Ferse]
Hakt die beiden Stangen am Fersenteil der Tech-Bindung ein und hält sie fest.

PUNKT 8 | Innenstiefel
Viele Skischuhe verwenden heutzutage ein thermoverformbares Innenfutter. Dies verbessert nicht nur die Passform deutlich, sondern füllt auch den Spalt zwischen Innenfutter und Außenschale, verhindert so ein Verrutschen im Schuh und sorgt für einen festen, integrierten Sitz vom ersten Moment an. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die hervorragende Wärmedämmung. Darüber hinaus sind immer mehr Modelle mit thermoverformbaren Außenschalen erhältlich – informieren Sie sich also unbedingt darüber.
[Wickeltyp]
Die Form, die sich sicher um den Knöchel schmiegt, sorgt für einen bequemen Sitz, der auch ohne Schließen der Schnalle bis zu einem gewissen Grad gehalten wird.

[Zungentyp]
Die traditionelle Innensohle mit separater Zunge bietet bequemen Sitz und passt sich den Bewegungen des Knöchels beim Drehen an.



[Einlegesohlen]
Dreidimensionale Einlegesohlen, die sich optimal an Ihre Fersen anpassen, verhindern das Verrutschen der Fußsohlen und verbessern so effektiv Ihre Leistung. Auch wärmegeformte Einlegesohlen sind im Handel erhältlich und bieten mit geringem Aufwand eine äußerst effektive Lösung.
PUNKT 9 | Gehmodus-Funktion
Heutzutage sind viele Freeride-Modelle, nicht nur Tourenskischuhe, mit einem Gehmodus ausgestattet. Beim Umschalten wird die Arretierung gelöst und der Schaft kann sich vor- und zurückbewegen. Während man beim Aufstieg auf steilen oder kurzen Strecken kaum einen Vorteil spürt, ermöglicht der größere Bewegungsspielraum des Schafts beim Gehen auf sanften Hängen oder ebener Strecke längere Schritte und somit ein schnelleres und leichteres Vorankommen.
Neben dem Fahren im unberührten Gelände gibt es viele andere Orte, an denen dieser Vorteil genutzt werden kann, beispielsweise beim Bewegen auf großen Parkplätzen in Skigebieten, beim Warten in der Schlange an einer Seilbahn oder beim Fahren im Stehen.
[Modusumschalthebel]
Mit dem Hebel an der Rückseite der Manschette kann zwischen Gleitmodus und Wandermodus umgeschaltet werden.






Betreut von: Hiroyuki Tsuji (Gen Factory), Ryusuke Miura (MDV Sports Japan), Tomoya Takahashi (Dynafit)
Text: Chikara Terakura


