Er nahm einst an Weltcuprennen teil und kehrte 2018 als Cheftrainer des All Japan Alpine Teams in den Schnee zurück. Im folgenden Jahr zog Kenta Uraki nach Innsbruck, Österreich, und betreibt Kesleski derzeit als Generalvertreterin in Japan. Wir liefern aktuelle Informationen und interessante Themen wie europäische Schneekultur, Ausrüstung und Technologie aus einer globalen Perspektive aus Übersee.
Österreicher sind vom Skifahren begeistert
2018 wurde er Cheftrainer des japanischen Ski-Nationalteams und zog im August 2019 mit seiner Familie nach Innsbruck. Sein Ziel war es, seine Athleten nicht nur zu stärken, sondern auch einen Stützpunkt für ihre Aktivitäten zu schaffen. Innsbruck, Sitz des Österreichischen Skiverbandes, bietet optimale Bedingungen für die Unterbringung von Teamfahrzeugen und Gepäck sowie Einrichtungen für körperliches Training zwischen den Schneetrainings, Verletzungsbehandlung und Rehabilitation – ideale Voraussetzungen also für die Skifahrer und das Team
Seit unserer Ankunft hier, vielleicht weil wir in einem Teamwagen mit der Aufschrift „JAPAN TEAM“ in großen Buchstaben unterwegs sind, werden wir an jeder Tankstelle gefragt: „Seid ihr vom Alpin-Team? Oder vom Sprungteam?“ Und wenn wir nach Hause kommen, fragen uns unsere Nachbarn regelmäßig: „Wie war das Rennen am Wochenende? Ich habe es im Fernsehen gesehen.“
Die Menschen, die hier leben, fahren nicht nur im Winter Ski, sondern kennen sich auch mit Weltcup-Skifahren und Skisportlern aus, und Skifahren ist wahrhaftig ein Teil ihres Lebens geworden

Fragt man nach der beliebtesten Sportart in Österreich, antworten viele mit „Skifahren“, wobei der alpine Skisport mit Abstand am beliebtesten ist. Der ORF überträgt im Winter jedes Wochenende live Skirennen. Hauptsächlich werden die alpinen Rennen der Männer und Frauen übertragen, aber auch Skispringen, Langlauf und viele andere Schneesportarten. Ein Vergleich mit Japan verdeutlicht dies: Dort überträgt der Sender NHK samstags und sonntags Skirennen

Neben den Fernsehübertragungen besuchen viele Zuschauer auch die alpinen Skirennen in Österreich. Der Herren-Slalom in Schladming, der an einem Wochentagabend stattfindet, lockt jedes Jahr 50.000 Zuschauer an. Auch die Abfahrt in Kitzbühel, tief in den Bergen gelegen, zieht jährlich 100.000 Zuschauer und zahlreiche Prominente an. Nach dem Rennen herrscht in der Stadt bis zum nächsten Morgen ausgelassene Feststimmung – ein Beweis dafür, welch bedeutende Rolle der alpine Skisport als Wintersportereignis spielt
Auch das Skispringen der Männer erfreut sich großer Beliebtheit: Das Vierschanzenturnier, das über den Jahreswechsel in Deutschland und Österreich ausgetragen wird, lockt täglich 10.000 bis 25.000 Zuschauer an
Skifahrer sind in der Stadt häufig auf Schildern und Werbeplakaten zu sehen, sogar als Maskottchen für Getränkemarken, und im Winter treten sie oft in Fernsehwerbespots und Talkshows auf. Ähnlich wie Baseball- und Fußballspieler in Japan populär sind, genießen Skifahrer in Österreich hohes Ansehen, und viele Kinder träumen davon, Spitzenskifahrer zu werden
Auf diese Weise hat sich der Skisport im Laufe seiner langen Geschichte tief in die Kultur und das Leben der Menschen in Österreich eingeprägt, und es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Skifahren der Nationalsport Österreichs ist
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des alpinen Skifahrens belaufen sich auf etwa 9 Billionen Yen!
Der Alpine Skiweltcup startet Ende Oktober im österreichischen Sölden. Man hört oft von Gletscherschmelzen aufgrund steigender Temperaturen, und Sölden ist einer der Skiorte mit einem Gletscher. In den letzten Jahren wurde aufgrund steigender Temperaturen und Schneemangels der Restschnee des Vorjahres unter Planen gelagert, um für das Oktoberrennen gerüstet zu sein. Sobald die Temperaturen sinken, werden die Schneekanonen in Betrieb genommen, um rechtzeitig zum Eröffnungsrennen eine Mindeststrecke zu gewährleisten
Es gab viel Widerstand dagegen, da viele argumentierten, das Eröffnungsrennen komme zu früh. Auch Umweltgruppen protestierten und verwiesen auf den hohen Energieaufwand für die Kunstschneeproduktion, der als Faktor der globalen Erwärmung gilt, sowie auf die Schäden an Gletschern durch den Bau der Rennstrecke vor einigen Jahren
Darüber hinaus haben Athleten ihre Ablehnung gegenüber dem Vorschlag geäußert, da das Eröffnungsrennen zu früh stattfindet und das intensive Schneetraining somit erst im Hochsommer oder sogar noch früher beginnen müsste.
Zu den Nachteilen zählen die erhöhte körperliche Belastung durch das höhere Verletzungsrisiko während der langen Wintersaison sowie die höheren Kosten für Hotel, Lifte und Kurse für das langfristige Skitraining auf Gletschern vom Sommer bis zum Herbst. Aufgrund des jüngsten Schneemangels und des Gletscherrückgangs konzentrieren sich die Trainingsbedingungen der Athleten vom Sommer bis zum Herbst zunehmend auf einen einzigen Ort. Hinzu kommt, dass die steigenden Preise die Kosten für das Sommer-Skitraining weiter in die Höhe treiben.
Angesichts so vieler Probleme stellt sich die Frage, welchen Sinn es hat, den Auftakt des Alpinen Skiweltcups Ende Oktober in Österreich auszutragen. Die Antwort soll eine starke politische Komponente haben.
Der Tourismus, insbesondere der Skisport, spielt in Österreich eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Im Winter strömen zahlreiche Touristen ins Land, vorwiegend aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Tschechien, Italien und der Schweiz, in den letzten Jahren aber auch aus dem Nahen Osten und Asien. Sie suchen die Skigebiete, die sich durch den Weltcup einen Namen gemacht haben, sowie die großen, traditionsreichen Resorts.
Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die Wertschöpfung des Tourismus in Österreich 58,7 Milliarden Euro (rund 9,979 Billionen Yen), was etwa 13,1 % des österreichischen BIP entspricht. Zum Vergleich: Daten aus dem „Weißbuch Tourismus 2023“ weisen für Japan eine Wertschöpfung des Tourismus von rund 11 Billionen Yen aus, was etwa 2 % des japanischen BIP entspricht. Für Österreich, mit seinen 9 Millionen Einwohnern – weniger als einem Zehntel der japanischen Bevölkerung – und einer Fläche, die in etwa der von Hokkaido entspricht, ist der Tourismus ein zentraler Wirtschaftszweig, der das Land stützt.
Wie diese Zahlen belegen, ist der auf Skifahren ausgerichtete Tourismus in Österreich von enormer Bedeutung. Daher ist es nur logisch, den Auftakt des Alpinen Skiweltcups zu nutzen, um den Skitourismus in die Nachbarländer zu fördern. Dies ist eine wahrlich nationale Wachstumsstrategie, und der alpine Skisport ist einer der Gründe für die bemerkenswerte Entwicklung des österreichischen Tourismussektors
Der Reiz der Skitourismusstadt Innsbruck

Innsbruck, mein Wohnort, ist die Hauptstadt Tirols mit rund 130.000 Einwohnern und zählt zu den weltweit führenden Skistädten. Sie zieht Skifahrer aus aller Welt an. Am Stadtrand befindet sich ein internationaler Flughafen. Die gute Erreichbarkeit trägt ebenfalls zu ihrer Beliebtheit bei: Die Schweiz ist nur zwei Autostunden entfernt, und die deutsche und italienische Grenze sind in weniger als einer Stunde zu erreichen

Vom Stadtzentrum fahren Busse zu jedem Skigebiet, daher sieht man im Winter überall in der Stadt Menschen mit Skiern und Skischuhen. Dieses Stadtbild, eine Mischung aus Büroangestellten und Touristen, ist einzigartig und wirklich erfrischend
Nicht nur Touristen fahren gerne Ski. In meiner Mietwohnung leben beispielsweise etwa 15 Familien, und im Untergeschoss hat jedes Zimmer einen eigenen Abstellraum. Alle Abstellräume sind mit der kompletten Skiausrüstung für jedes Familienmitglied ausgestattet, und es gibt sogar einen Skiserviceraum, den alle nutzen können

An Wochenenden fahren viele Familien Ski. Es gibt auch das Freizeitticket, eine Jahreskarte, die nur von Einheimischen erworben werden kann und zum Skifahren in 33 Skigebieten Tirols berechtigt. Dieses Ticket ist mit 700 Euro für Erwachsene und 100 bis 400 Euro für Kinder nicht gerade günstig, aber viele Einheimische kaufen es und besuchen damit Skigebiete mit ganz eigenem Charme, nicht nur das Naherholungsgebiet


Darüber hinaus verfügt jede Region über eine eigene Langlaufloipe, die kostenlos genutzt werden kann. Die Anwohner genießen oft den einfachen Zugang zur Loipe, können sich sportlich betätigen, die wunderschöne Landschaft genießen und anschließend in einer Berghütte neben der Loipe entspannen
Der Reiz des sommerlichen Lebens in den Bergen inmitten der Natur ist unübersehbar und lockt das ganze Jahr über viele Touristen nach Innsbruck. Bergsteigen gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen der Stadt und ist auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Wenn ich mir die Social-Media-Profile meiner Freunde in Innsbruck ansehe, sehe ich, dass viele von ihnen mehrmals pro Woche bergsteigen gehen
Radfahren ist ebenfalls beliebt, und Radwege sind überall vorhanden. Mittlerweile gibt es sogar E-Bikes, sodass auch ältere Menschen sich im Mountainbiken versuchen. Selbst wenn Sie nicht sportlich aktiv sind, können Sie mit der Gondel auf den Berg fahren, dort zu Mittag essen, spazieren gehen und die Berge in Ihrem eigenen Tempo genießen. Und wenn Sie wieder unten in der Stadt sind, ist der herrliche Blick von Innsbruck, umgeben von Bergen, Balsam für die Seele

Darüber hinaus verfügt Österreich im Vergleich zu seinen Nachbarländern über gut ausgebaute Straßen und ein umfassendes öffentliches Verkehrsnetz mit Bussen und Zügen. Die Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft ermöglicht zudem die Pflege der Grasflächen an den Berghängen, und die Skigebiete bieten selbst im schneelosen Sommer eine wunderschöne Landschaft. Zahlreiche Tiere, darunter Kühe, Pferde, Schafe und Hühner, grasen hier, und dieser Anblick wirkt nicht nur beruhigend, sondern verdeutlicht auch die Bemühungen des Landes, die lokale Produktion und den Konsum zu fördern
Selbst während der Zeit, als die Grenzen aufgrund des Coronavirus geschlossen waren, gab es keine Unterbrechung der Lebensmittelversorgung der Supermärkte, was mir den Eindruck eines nationalen Charakters vermittelte, der versucht, sich so wenig wie möglich auf andere Länder zu verlassen
Darüber hinaus zeichnen sich die Hotels und Unterkünfte durch ein warmes Design aus, das vorwiegend aus Holz besteht, und fügen sich harmonisch in die städtische und ländliche Landschaft ein, wodurch ein unbeschreibliches Gefühl von Sicherheit und Komfort entsteht
Japan steht derzeit im Rampenlicht! Das Stichwort lautet „Schnee“
Österreich hat viele Attraktionen zu bieten, doch interessanterweise zieht Japan derzeit die Aufmerksamkeit vieler europäischer Skifahrer auf sich
Europa leidet seit Jahren unter einem eklatanten Schneemangel. Europäische Skifahrer kontaktieren mich jedoch häufig, um Informationen über Pulverschnee in Japan zu erhalten. Es mag seltsam anmuten, dass sie sich für Japan interessieren, obwohl das Land von so prächtigen und traditionsreichen Skigebieten umgeben ist. Doch genau das beweist, wie bekannt Japans Schnee und seine Attraktivität als Reiseziel weltweit sind

Ich bin in Minamiuonuma, Präfektur Niigata, aufgewachsen. Als Kind konnte ich oft morgens nach einem Schneefall nicht aus dem Haus und zur Schule gehen. Schnee kann zwar im Alltag manchmal lästig sein, aber dieser tiefe Schnee ist etwas Besonderes. Es wäre eine Verschwendung, ihn nicht als nationalen Vorteil zu erkennen und ihn stärker für den Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen zu nutzen. Ich hoffe, dass Japan sich, ähnlich wie Österreich, zu einem starken Tourismusland entwickelt, das Schnee als Ressource nutzt
Deshalb wünsche ich mir, dass mehr Menschen in Japan in die schneebedeckten Berge fahren und Skifahren und Snowboarden genießen! Skifahren im japanischen Pulverschnee ist der ultimative Luxus für Skifahrer, die stets auf der Suche nach dem besten Schnee sind


