Als die neuen Modelle für die Saison 2023/24 auf den Markt kamen, erregten Alpinskischuhe mit dem BOA® Fit System sofort Aufsehen. Die Neuerung, den Verschluss per Drehknopf statt mit einer Schnalle zu fixieren, überzeugte anspruchsvolle Skifahrer. STEEP hat bereits vor der breiten Öffentlichkeit die Eindrücke von Bergführern veröffentlicht, die die neuen Modelle getestet haben
Das in dieser Saison eingeführte BOA® Fit System für Alpinskischuhe ist ein neues System, das mit Draht statt Schnallen fixiert wird. Dieses System wird bereits seit einiger Zeit bei Snowboardboots verwendet und hat sich als Standard etabliert. Es bleibt abzuwarten, wie es sich in der Schale von Skischuhen bewährt, die eine hohe Steifigkeit erfordern, und wie sich seine Effektivität im Vergleich zum Vorgängersystem verändert
Das Redaktionsteam von STEEP besuchte daher im September 2023 eine Medienpräsentation im BOA-Hauptsitz. Wir interviewten die Entwickler direkt am Hauptsitz in Colorado, um mehr über den BOA-Hauptsitz und die Highlights des BOA® Fit Systems zu erfahren, das in dieser Saison erstmals in Alpinschuhen verbaut wurde
Die Entwicklung der BOA®-Technologie in Alpinschuhen dauerte fast fünf Jahre

Nach 700 Tests und rund fünf Jahren Entwicklungszeit wurde das BOA® Fit System dieser Alpinskischuhe endlich vorgestellt. Zu Beginn der Entwicklung wurde ein System von bereits erhältlichen Snowboardboots getestet. Aufgrund der Steifigkeit der Schale war dieses jedoch nicht mit Alpinskischuhen kompatibel, die sich in ihrer Bauweise unterscheiden. Daher wurde eine völlig neue Technologie entwickelt: das neue „H+i1“-System. Weitere Details finden Sie im folgenden Artikel. Sehen wir uns die neue Technologie zunächst genauer an
Die wichtigsten Merkmale des neuen Systems für Alpinschuhe sind folgende:
- Das Entwicklungsziel bestand nicht darin, Schnallen zu ersetzen, sondern eine bessere Leistung und mehr Komfort als bei herkömmlichen Schnallenstiefeln zu bieten
- Es wurde von Grund auf neu konzipiert, um Ihren Kraftanforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig Benutzerfreundlichkeit und eine individuelle Passform zu gewährleisten
- Es deckt ein breites Spektrum an Fahrstilen und Einsatzbedingungen ab. Neben professionellen alpinen Rennfahrern waren auch Backcountry- und Freestyle-Skifahrer an der Entwicklung und Erprobung beteiligt
Im Vergleich zu herkömmlichen Schuhen mit Schnallenverschluss wird der Druck auf den Fußrücken um 13 % reduziert. Das BOA-Drehsystem sorgt für eine präzise und gleichmäßige Passform mit millimetergenauen Anpassungsmöglichkeiten. Die verbesserte Passform optimiert die Kraftübertragung auf die Fußsohle und führt zu einer 10%igen Steigerung der Kraftentwicklung beim Einleiten einer Kurve. Ziel war es also, die Leistung zu steigern und gleichzeitig den Tragekomfort zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden auch in der Fachzeitschrift „Frontiers in Sports and Active Living
Die oben genannten Punkte werden wir später erläutern

Im Freeride-Bereich haben K2 und ATOMIC das System in ihren Topmodellen mit Gehfunktion eingeführt. Auch Fischer und Salomon bieten es in ihren Experten- und Fortgeschrittenen-Piste-Modellen an. Warum hat BOA® es zuerst in einem High-End-Skischuh verbaut? Das ist die Strategie von BOA.
Zunächst sollen Experten den Komfort, die Kontrolle und die Performance im Vergleich zu herkömmlichen Skischuhen selbst erleben. Nachdem die Vorteile bekannt geworden sind und die Technologie sich bewährt hat, wird BOA® die Integration in weitere Modelle in Betracht ziehen.
BOA, wo innovative Technologie geboren wird
BOA wurde 2001 in den USA vom Snowboarder Gary Hammerslag gegründet. Er nutzte seine Erfahrung im Bereich Medizintechnik, um das BOA® Fit System zu entwickeln, das er für die Schuhfixierung einsetzte. K2 und Vans waren die ersten Markenpartner. K2 pflegt seit der Firmengründung eine enge Partnerschaft mit Vans und gehört zu den Marken, die das neue BOA® Fit System übernommen haben
Das Unternehmen hat sein Angebot von Snowboardstiefeln auf andere Sportschuhe, darunter Golf- und Fahrradschuhe, ausgeweitet. Mit Niederlassungen in Japan und weltweit erschließt BOA neben seinem Heimatland auch Märkte in anderen Regionen. Der Marktanteil wächst stetig, und die positive Entwicklung hält unvermindert an. Werfen wir einen Blick in die Firmenzentrale, das Herzstück von BOA

BOA hat seinen Hauptsitz und sein Entwicklungslabor in Denver, Colorado, USA. Colorado ist übersät mit zahlreichen Skigebieten, und Denver ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge zu bekannten Resorts wie Vail und Aspen
Das Büro, in dem sich die naturbegeisterten Mitarbeiter treffen, ist geräumig. Neben einem mit Schreibtischen ausgestatteten Raum verfügt die BOA-Zentrale über Ausstellungsräume für jede Produktkategorie, in denen die jeweiligen Produkte präsentiert werden. Im Bereich „SNOW“ sind neben den in dieser Ausstellung gezeigten Alpinschuhen auch zahlreiche Snowboardboots zu sehen

Der geräumige „Rathaussaal“ ist terrassenförmig angelegt, und in der Vergangenheit wurden dort Filmvorführungen auf der großen Leinwand gezeigt

Und dann gibt es noch das Performance Fit Lab, wo die Entwicklungstests für BOA® stattfinden. Hier werden sportliche Tests durchgeführt, die zur Produktentwicklung beitragen. Dabei werden die Fußform vermessen und Simulationen durchgeführt, um zu ermitteln, welche sportliche Leistung mit BOA®-Schuhen erzielt werden kann




Dutzende Kameras sind an allen Seiten angebracht.
Es gibt sogar eine Bar direkt vor Ort. In der Nähe des BOA-Hauptsitzes befinden sich zahlreiche Brauereien, die lokales Craft-Bier anbieten. Ich beneide Sie um die Möglichkeit, nach der Arbeit noch schnell etwas trinken zu gehen, bevor Sie nach Hause fahren. Ob berufliche oder private Themen – bahnbrechende Technologien entstehen wahrscheinlich in solchen Räumlichkeiten, die Mitarbeitern einen ungezwungenen Austausch ermöglichen
Als ich nach der Unternehmenskultur bei BOA fragte, wurde mir gesagt: „Alle arbeiten sehr kooperativ zusammen.“ Gute Teamarbeit ermöglicht es den Mitarbeitern, mehr zu erreichen. Es herrscht auch eine Kultur des gegenseitigen Herausforderns. Manchmal gibt es hitzige Diskussionen, aber es ist kein Konkurrenzdenken im Spiel; vielmehr sind alle auf dasselbe Ziel fokussiert: besser und erfolgreicher zu werden. Gerade weil Mitarbeiter mit dieser Einstellung zusammenarbeiten, entstehen bahnbrechende Technologien

Die Summit Bar befindet sich im Firmenhauptsitz. An den Zapfhähnen werden Craft-Biere lokaler Brauereien ausgeschenkt

